Kreativität – eine zutiefst menschliche, aber vergessene Fähigkeit

Veröffentlicht am Kategorisiert als Business 2 Kommentare zu Kreativität – eine zutiefst menschliche, aber vergessene Fähigkeit

Ich schreibe diesen Text nicht, um etwas zu erklären. Ich schreibe ihn, um etwas zu teilen – und vielleicht auch, um falsche Vorstellungen aufzulösen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass jeder Mensch Kreativität in sich trägt. Nicht als besonderes Talent, nicht als Auszeichnung, sondern als etwas zutiefst Menschliches. Und doch höre ich diesen Satz immer wieder: „Ich bin nicht kreativ.“ Fast entschuldigend ausgesprochen, manchmal mit einem Lächeln, oft aber mit einem stillen Bedauern. Psychologisch betrachtet sagen wir in diesen Momenten nicht, dass uns Kreativität fehlt. Wir sagen, dass wir uns selbst keine innere Zustimmung geben.Die Zustimmung, neugierig zu sein. Zu spielen. Fehler zu machen, ohne sie sofort zu bewerten. Kreativität braucht keinen Perfektionismus – sie braucht einen sicheren inneren Raum. Doch genau dieser Raum wird im Laufe unseres Lebens immer enger. Durch Erwartungen, durch Vergleiche, durch Erfahrungen, in denen Anpassung belohnt wurde und Abweichung riskant schien. Unsere Glaubenssätze – diese stillen inneren Programme – wirken wie unsichtbare Grenzen. Sie regulieren, was wir uns zutrauen. Und so wird Kreativität nach und nach leiser, bis wir glauben, sie gehöre nicht mehr zu uns.

Kreativität ist kein Talent – sie ist ein Muskel

Dabei ist Kreativität nichts Abgehobenes. Keine angeborene Elitefähigkeit. Sie ist kein Talent, das nur wenigen zufällt. Kreativität ist wie ein Muskel: Je öfter wir ihn benutzen, desto kräftiger und freier wird er. Wir stärken damit unsere Selbstwirksamkeit – das Erleben, dass wir aus uns selbst heraus etwas gestalten können. Jeder kreative Akt, so klein er auch sein mag, sendet eine klare Botschaft an unser Nervensystem: Ich kann handeln. Ich kann verändern. Wer kreativ handelt, betrachtet ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln, probiert Wege aus, lässt Umwege zu. Genau hier entsteht Flexibilität im Denken – eine Fähigkeit, die in unsicheren Zeiten entscheidend ist. Kreativität bedeutet nicht, sofort eine Lösung zu haben, sondern sie bedeutet, im Prozess zu bleiben und genau deshalb bin ich überzeugt: Kreativität ist eine Schlüsselkompetenz unserer Zeit.

Eine Schlüsselkompetenz für eine wilde Welt

Wir leben in einer wilden Welt voller Umbrüche, Unsicherheiten und Reizüberflutung. Wir stehen dauerhaft unter Anpassungsdruck. Kreativität wirkt hier wie ein Gegengewicht: Sie reguliert. Sie ordnet. Sie bringt uns zurück in Kontakt mit uns selbst. Doch ihre größte Kraft entfaltet sie nicht im Außen, sondern im Inneren, im Mikrokosmos jedes einzelnen Menschen. Kreativität kann stabilisieren, wenn das Außen anfängt zu wanken. Sie kann verbinden, wo wir uns getrennt fühlen und sie ist eine Ressource, die nicht erschöpft, nein sie nährt uns.

Kreativität ist mein Lebenselixier

Für mich bedeutet Kreativität, beweglich zu bleiben – innerlich wie äußerlich. Sie beginnt im Denken, doch sie zeigt sich im Handeln. Wenn ich kreativ bin, verändert sich mein Zustand. Ich werde präsenter. Mein Nervensystem beruhigt sich. Ich bin weniger im Müssen und mehr im Sein. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen diese Quelle versiegte. Zeiten, in denen Kreativität keinen Platz hatte. Mein Körper reagierte lange bevor ich es verstand. Erst rückblickend wurde mir klar: Es war nicht nur Erschöpfung. Es war das Fehlen von Ausdruck. Heute weiß ich: Kreativität ist für mich kein Luxus. Sie ist Selbstfürsorge. Wenn ich gestalte, schreibe, forme oder experimentiere, komme ich in Kontakt mit mir selbst. Ich verliere das Zeitgefühl. Ich bin im Hier und Jetzt. Manchmal entsteht dabei etwas Greifbares, manchmal nicht. Beides ist gleich wertvoll. Und wenn ich alles um mich herum vergesse und mich im Tun versinke, dann bin ich in einen Flow-Zustand – einen Zustand, in dem Konzentration und Leichtigkeit zusammenfinden. In dem das Denken leiser wird und das Erleben tiefer. Kreativität wird zu einem Ort innerer Kohärenz.

Keine Definition – sondern eine Einladung an dich

Der Begriff Kreativität stammt vom lateinischen creare: erschaffen, hervorbringen. Er beschreibt unsere Schöpferkraft – die Fähigkeit, inneres Erleben in äußere Form zu bringen. Nicht perfekt. Nicht genial. Sondern wahrhaftig. Kreativität ist ein Prozess. Sie entsteht, wenn wir uns einlassen. Wenn wir Kontrolle loslassen und Präsenz zulassen. Wenn wir uns selbst wieder zutrauen, Gestalter:innen unserer Realität zu sein. Vielleicht ist Kreativität nichts, was du neu lernen musst. Vielleicht ist sie etwas, das längst in dir angelegt ist. Eine Superkraft, die darauf wartet, dass du ihr Raum gibst. Dass du sie weckst und beginnst, sie zu leben.

2 Kommentare

  1. Liebe Juliane,
    Kreativität ist etwas Wunderbares! Schön, dass du dich dem Thema widmest und auch deine eigene Sichtweise einbringst. Meine Kreativität ist das Schreiben. Da bin ich im Flow. Und die Musik. Und manchmal auch einfach das kreative Finden von Lösungen in besonderen Herausforderungen.
    Alles liebe, Susanne

    1. Liebe Susanne, ich freue mich über deinen Kommentar so so sehr – danke erst einmal dafür! Ja die Kreativität ist eine so wertvolle Fähigkeit und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass diese bei ganz vielen wieder geweckt wird, denn sie wohnt in uns allen. Musik berührt auch meine Kreativität in Verbindung mit Bewegung und manchmal hilft sie mir auch eine Brücke zu schlagen. 🎶🥰

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